Von Lötkolben, Logik und Leidenschaft: Zu Besuch bei eatingVoltage
- 30. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Mai
Wo Bits und Ideen fließen: Zürich, Zentralwäscherei.
Wer die Bit-Wäscherei betritt – jenen kreativen Freiraum, in dem das Wortspiel mit dem elektronischen „Bit“ Programm ist –, spürt sofort eine besondere Energie. Es riecht nach Lötzinn und nach Aufbruchstimmung.

Hier, in diesem elektronischen Atelier, wird das Abstrakte greifbar. An den Tischen sitzen Menschen mit fokussiertem Blick, den Löt-kolben fest im Griff.
Doch wer eine steife, stille Werkstatt-atmosphäre erwartet, täuscht sich. Trotz der hohen Konzentration wird gelacht, diskutiert und gefachsimpelt. Es wird nicht nur gelötet, sondern geredet – über technische Hürden, neue künstlerische Ideen oder einfach über alles, was einen im Alltag gerade beschäftigt. Genau das ist eine der Qualitäten der Bit-Wäscherei: Der Austausch auf menschlicher Ebene ist hier genauso wichtig wie die Technik. Hier entstehen Verbindungen, die über die Schaltkreise hinausgehen.
In dieser Ausgabe nehmen wir euch mit hinter die Kulissen unseres Besuchs bei Sämi, dem Kopf hinter eatingVoltage.
eatingVoltage

Überflüger: Sämi, was genau ist eatingVoltage?
Sämi: eatingVoltage ist vieles gleichzeitig. Es ist ein Produkt aus viel Zeit und purer Leidenschaft. Im Kern ist daraus etwas entstanden, das genau aus dieser Hingabe gewachsen ist. Es geht darum, elektronische Musikinstrumente nicht nur zu benutzen, sondern sie zu verstehen und selbst zu bauen.
Wie kamst du darauf, diese Geräte nicht nur zu spielen, sondern sie von Grund auf selbst zu konstruieren?
Sämi: Das hatte zwei Seiten. Einerseits war da immer diese Faszination für das Technische: Was bringt eine Platine zum Laufen? Die Musik kam parallel dazu.
Für mich sind das die zwei entscheidenden Komponenten: Sie sind unterschiedlich, aber man führt sie zusammen – und genau dieses Zusammenführen ist für mich das Spannende. Ich frage mich oft: Wo hindert uns ein Gerät und wo fördert es unseren Ausdruck? CANVAS, mein Synthesizer, ist für mich die Antwort darauf.
Die Reise von CANVAS begann in einer eher isolierten Zeit, wie war das genau?
Sämi: Genau, das Ganze entstand während der Pandemie. Ich war viel allein und habe etwa ein halbes Jahr lang jede Woche ein neues Modul entworfen. Früher war die Elektronik für mich ein rein abstrakter Ausgleich zu meinem sehr sozialen Beruf als Lehrer. Heute ist es ein Gemeinschaftsprojekt. Vor einem Jahr habe ich gemerkt, wie viele Leute das interessiert und dass sie mitbauen wollen. Die Leute hier in der Bit-Wäscherei nutzen das System, um gemeinsam zu tüfteln. Das ist der Grund, warum wir heute hier zusammen am Tisch sitzen.

Wir sind hier in der Bit-Wäscherei – einem Ort, der für Austausch bekannt ist. Wie wichtig ist das Soziale für dich?
Sämi: Es hebt das gesamte Projekt auf die nächste Ebene. Auch wenn wir hier hochkonzentriert arbeiten, ist der Workshop ein sozialer Raum. Man lernt voneinander, man inspiriert sich gegenseitig. Diese Offenheit ist die Basis für alles, was hier entsteht. Wissen sollte geteilt werden, denn Teilen schafft Verbindung.
Was fasziniert dich persönlich so an Tönen und Frequenzen?
Sämi: Es ist dieser Spagat. Auf der einen Seite ist es rationale Mathematik und Physik. Auf der anderen Seite treffen uns diese Frequenzen im innersten Kern und lösen auf eine völlig irrationale Weise Emotionen aus. Ich bin da oft gespalten zwischen der Be-geisterung für die rationale Planung und dieser tiefen, emotionalen Seite der Musik. Genau dieses Spannungsfeld treibt mich an.
Du bietest Workshops an, in denen man eigene Synthesizer baut – zum Beispiel den MINIPUNK. Was muss man mitbringen, um mitzumachen?
Sämi: Überhaupt nichts! Ich habe den MINIPUNK extra so entwickelt, dass auch Menschen ohne jede Erfahrung einen Zugang finden. Die einzige Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft, sich mit Musik oder Elektronik auf den Moment einzulassen. Man muss Schritt für Schritt vorgehen, auch mal innehalten und nicht durchstressen. Ah, doch eines fällt mir noch ein: Den Grund, warum man das bauen will, den müsst ihr allerdings selber mitbringen (lacht).

Gibt es Neuigkeiten, auf die wir uns freuen können?
Sämi: Ja! In Zukunft möchte ich vermehrt Patch-Workshops speziell mit dem CANVAS anbieten. Da geht es dann weniger ums Löten, sondern ums gemeinsame Jammen und Ausprobieren: Was passiert, wenn wir die verschiedenen Module miteinander verbinden? Ausserdem bekommt der MINIPUNK gerade einen „Kollegen“ – eine Erweiterung mit Sequenzer und einfachen Drums. Das wird in ein paar Wochen offiziell erscheinen.
Wir von Überflüger sind begeistert von Sämis Ansatz und der besonderen Atmosphäre in der Bit-Wäscherei. Es ist genau diese Art von kultureller Pionierarbeit, die wir mit unserem Verein sichtbar machen wollen. Wir hoffen, euch mit diesem Einblick inspiriert zu haben – vielleicht sieht man sich ja beim nächsten Workshop am Lötkolben!
Kontakt & Infos: Wer jetzt Feuer gefangen hat, findet alle Infos zu Modulen, kommenden Workshops und das Kontaktformular direkt unter: eatingvoltage.com





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